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Genua – kann man gesehen haben, muss man aber nicht

Aloha Leser. Ich glaube der Artikel hier wird nicht gut. Denn meine Laune ist an einem Tiefpunkt – der verlorene Hut macht mich rasend und ich verfluche meine eigene Doofheit. Mist Mist Mist.
DSC00582.JPG Dabei war der Rest vom Tag doch so schön: gut ausgeschlafen wachten wir in unserem Hostel auf, duschten, packten unsere Sachen und organisierten uns ein kleines Frühstück, dass wir auf dem Bahnhof zu uns nahmen.
Auch mit den -unreservierten- Zügen hatten wir Glück. Der Erste fuhr mit uns durch eine sonnige Toskana-Kulisse (für Insider: auch durch Empoli) bis nach Pisa, wo wir in einem angeblich ausgebuchten, reservierungspflichtigen InterCity einen Sitzplatz fanden und diesen, trotz der an jeder Station beständig einsteigenden Menschenmassen, verteidigen.
Der Bahnhof Genua Brignole ist ein im Innenraum recht elegantes Gebäude und besitzt zu allem Überfluss sogar nettes Info-Schalter-Personal. So erfuhren wir wie wir Frankreich am besten erreichen können: Mit einem Zug nach Ventomiglia, einer Stadt nahe der Grenze, wo man nach Nizza umsteigen kann. Wenige Minuten später war ein Ticket bis Ventomiglia reserviert und das Gepäck am Schalter abgegeben.
Auf in die Stadt! Diesmal dachten wir auch daran die Sonnencreme mitzunehmen, was wir -zum Glück ohne schlimmere Folgen bisher- schon hier und da vergessen hatten. Unseren Hunger stillten wir mit der italienischen Interpretation einer typisch deutschen Spezialität: Döner. In einem ciabattaartigen Brötchen bekamen wir von einem Türke (zumindest denke ich, dass es einer war – er konnte sogar etwas Deutsch) unser Mittagessen (übrigens mit Pommes – im Döner!!! Als Teil der Beilage!!!) überreicht.
Tagesordnungspunkt 1(uno) abgehakt. Es folgt Nummer
2(due): Elektronikgeschäft. Wir wollten wegen Eriks Kamera um Rat fragen und eventuell eine einfache Digitalkamera kaufen. Das Glück und der Zufall waren hier großartige Helfer: Als wir gerade an einer Ampel standen und darüber sprachen, entdeckte ich auf der anderen Seite ein entsprechendes Geschäft und wir konnten unseren Plan nach kurzem, orientierungslosen Umherlaufen im erstaunlich großen, verwinkelten, zwei-stöckigen und vielseitigen (von Fernsehern, über DVDs, über Videokameras, über Computer bis hin zu Büchern) Geschäft in die Tat umsetzen. Leider konnte man die Kamera nicht reparieren und eine Neue war schlicht zu teuer.
Wir beschlossen also uns zunächst hemmungslos zu verlaufen um schließlich einen Spiaggio Libero zu finden, an dem die Einheimischenquote etwa 90% betrug. Wir zogen uns um, liefen über den glühend heißen Steinstrand und stiegen ins Wasser. Die Brühe war zwar einigermaßen trüb, aber je weiter man hinausschwamm, desto besser wurde die Wasserqualität.
Nach dem Baden schleppten wir uns erschöpft in die Innenstadt, aßen einen Happen, kauften uns Brötchen, Belag sowie ein 1/8 Melone und genossen das alles an Bahnsteig 1.
21:02 kam dann unser Zug nach Ventomiglia, in dem wir uns ein Abteil mit 3 kartenspielenden Italienern teilten. 23:32 Uhr fuhr dann der Zug nach Nizza los (mit uns, ohne meinen Hut) und kam etwas früher als geplant dort an – doch zu dem Fiasko kommen wir später.

Das zweite Meer für dieses Jahr

Was haben wie hier gut geschlafen! Frisch geduscht, hygienisiert und gut verpflegt sind wir eingeschlafen und gut gelaunt und erholt aufgewacht. Entgegen meiner Befürchtungen ist sogar unsere Wäsche trocken geworden und ich konnte die Wäscheleine wieder einpacken.

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Kurz vor 12 verließen wir dann die Unterkunft und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. (Das Rätsel um seine außergewöhnliche Schönheit ist gelöst: Es handelt sich um einen ehemals wichtigen Halte- und sogar Endpunkt des Orientexpress) Und den verstehe wer will. Am Ticketschaltern kann man uns nicht helfen, weshalb wir den “Reservation/Advanced Booking”-Schalter probierten – ohne Erfolg. Wir sollen ins die Stadt zurück in ein staatliches Reisebüro – nur da kann man ein Ticket ins Ausland kaufen. Bevor wir dorthin liefen, wollten wir unser Gepäck los werden. Der Gepäckschalter ist allerdings geschlossen und an der Tür steht: “THE LEFT LUGGAGE OFFICE IS SITUATED TO THE RIGHT OF THE EXIT – THE FIRST DOOR”. Der Hinweis hilft nur bedingt denn der Bahnhof hat mindestens 4 Ausgänge und an einer auf die Beschreibung zutretenden Tür stand eine kopfschüttelnde Frau, die uns weg schickte. Völlig verzweifelt stolperten wir dann doch noch über die Gepäckabgabe, die gerade Mittagspause hatte. Manchmal hilft nur Geduld.

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Ohne Gepäck auf den Schultern machten wir uns auf den Weg zum staatlichen Reisebüro und kaufen von einer netten, aber resoluten Frau 2 Reservierungen für den letzten -aus naheliegenden Gründen- nicht vollen Zug nach Bukarest, er fährt eigentlich nach Minsk und ist nachts um 3!!! in Bukarest. Freude!

Hunger und Durst überkamen uns und trieb uns in einen “Mandarin Supermarket”. Für umgerechnet 1,50€ gab es z.B. 6l Limonade. Bulgarien ist gar nicht so teuer ;)

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Mit den Einkäufen marschierten wir zum Strand, wo uns erst der Bademeister aus dem Wasser und kurz darauf die Schirmvermieterin von unserem Schirm vertrieb. Leicht verzweifelt liefen wir den Strand entlang und suchten eine schirmfreie Stelle an der eine gelbe statt einer roten Fahne hing. Da durften wir Baden und hatten sogar Schatten (neben dem Rettungsschwimmerturm). Schöne, hohe Wellen, ein weicher Sandstrand, leider aber nicht so sauberes Wasser wie in Kroatien.
Erschöpft vom vielen Baden ging es Essen und dann hierher: In den Mutter-Kind-Warteraum des Bahnhofs. Hier gibt es Internet, eine Steckdose und weit und breit weder eine Mutter noch ein Kind. Und bald kommt der Zug. Morgen erfahrt ihr dann wie die Fahrt war. Bis dahin!

Mal was Neues: Regen!

Wie der Tag begann wisst ihr ja schon: Mit einer sehr genauen Grenzkontrolle im Nachtzug. Sofia begrüßte uns mit Wolken, kühlem Wind und einer durch die Zugverspätung auf 45 Minuten geschrumpften Umsteigezeit (es sollten 3 Stunden sein). Wir reservierten für den Wahnsinnspreis von 1lev (etwa 50ct – die Umrechnung entspricht etwa der von DM zu €) 2 Sitzplätze im Zug nach Varna und stiegen ein. In unserem Abteil befanden sich 3 locker über 70jährige Bulgaren (2 Frauen, ein Mann) die uns freundlich begrüßten – ohne das wir etwas genaues verstanden. Der Mann saß auf einem unserer reservierten Plätze, aber da kaum jemand im Zug war, wollten wir ihn auch nicht verjagen und setzten uns auf 2 andere Plätze. Er erzählte kurz und wild gestikulierend mit einer der Frauen und verschwand dann kurz. Als er zurück kam räumte er seinen Platz und zeigte auf die 2 Plätze, die uns zustehen würden. Es stellte sich heraus: Er war wirklich beim Schaffner und hat sich erkundigt, welche Plätze uns gehörten, weil er gesehen hatte wie dieser uns das Abteil gezeigt hat.

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Die restliche Zugfahrt (7 Stunden Regionalzug) verlief eher ruhig: es gab einige interessante Menschen zu beobachten, z.B. eine “feine Dame” mit Botoxlippen und ihrem Mann (beide trotz Mistwetter mit Sonnenbrille). Die Landschaft war auch sehr abwechslungsreich: von großen Tiefebenen, über Hügelketten bis hin zu tiefen Tälern und Schluchten war alles dabei.
Je näher wir unserem Ziel kamen, desto deutlicher zeigte sich, dass das schlechte Wetter wohl nicht nur in Sofia war. In Varna war es zunächst weitgehend frei von Niederschlägen, aber wir mussten auf Jeans und geschlossene Schuhe umsteigen. Der Bahnhof von Varna ist ein unerwartet schönes Gebäude und bietet im Inneren sogar WLAN.
Wir kamen etwa 18 Uhr an (17 Uhr für euch – Zeitverschiebung) und unsere Odysee begann: Englisch wird kaum gesprochen, Deutsch wenn dann nur von älteren Bulgaren (die es oft auch nur verstehen, es aber nicht selbst sprechen – ich denke das trifft auch auf die 3 Alten im Zug zu. Die Ohren wurden lang wenn wir sprachen). Unsere Suche nach einem Hostel führte uns gigantische, planlose Kreise durch die Innenstadt und schließlich half uns die Skizze einer schlecht englischsprechenden Kioskfrau ein Hostel zu finden. Spannender Fakt: Es war voll. Ein Novum für uns – wegen Überfüllung wurden wir noch nie abgewiesen. Und dann auch noch in Varna. Doch Mr Rezeption kannte noch 2 Adressen und im Casablanca Hostel hatten wir schließlich Glück: 34 Leva die Nacht – zusammen. Ein guter Preis!
Und dann dieses Zimmer: Groß, sauber, eigenes Bad, TV (Discovery Channel), WLAN, … . Zuerst mussten wir duschen: Die Nachtzüge hatten das die letzten beiden Nächte verhindert und so sahen wir auch aus.
Jetzt wurde noch schnell ein Teil der Wäsche gewaschen – es ist einfach kaum etwas brauchbares übrig in der Tasche -, im Zimmer aufgehangen und dann gingen wir Essen. Happy Bar&Grill war keine schlechte Wahl und wir schlugen richtig zu!
Unser Verdauungsspaziergang geriet dann leider zum Fiasko. Wir liefen immer bergab, bis wir einen großen Sandstrand entdecken. Am Wasser machten wir einige Bilder und wunderten uns schon woher ab und zu diese Tropfen kommen. Plötzlich und ohne weitere Vorwarnung brach es über uns herein: Ein heftiger Landregen verwandelte in Sekunden die Straßenränder in Bäche und uns blieb nix als die Flucht nach vorn. Vollkommen durchnässt erreichten wir unser Zimmer. Jetzt hängt hier mehr als nur etwas Wäsche zum Trocknen..

Vorschau morgen: Auschecken, Gepäck unterstellen: im beten Fall hier, Zug reservieren, Varna anschauen – auf nach Bukarest!

Geräuschkullisse Regionalzug at Varna by thePB