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Klischees

Über alle Länder und Regionen gibt es Vorurteile und Klischees. Hier einige über Frankreich (mit Exkursionen nach Italien, Bulgarien und Co.) mit unseren Beobachtungen: wahr oder falsch.
1. Franzosen sind sehr stolz auf ihr Land. Das können wir guten Gewissens bejahen: Französische Flaggen sind beliebt und wirklich fast jedes Auto ist von Renault, Citroën oder Peugeot.
2. Franzosen legen wert auf ihre Sprache und lassen Touristen zappeln, wenn die kein Französisch beherrschen. Das ist wohl eher eine Halbwahrheit: Die allermeisten Franzosen mit denen ich zu tun hatte, waren freundlich und hilfsbereit. Man sieht es aber durchaus gern, wenn man sich am Französischen versucht – da mein Französisch unmittelbar hinter “Bonjour”, “Merci”, “Au revoir” und “qui a roulé le frommage a la gare?” aufhört, mussten sich meine Gesprächspartner mit Begrüßung, Dank und Verabschiedung zufrieden geben. Und das reicht den allermeisten scheinbar auch. Wer allerdings direkt Englisch beginnt, wird meinen Beobachtungen nach, nicht ganz so nett behandelt. (Das trifft allerdings auch für Kroatien und Co zu. Da wo ich добры день sagte, kam ich besser an, als da wo ich englisch begann (weshalb ich Letzteres schnell abstellte).
3. In Frankreich Auto zu fahren ist ohne. Stimmt irgendwie auch, obwohl es hier eine Spur harmloser zugeht als in Italien, Rumänien und Serbien – wo jedoch die Institution des Zebrastreifens intensiver geachtet wird – mit Bremsmanövern 10cm davor, aber immerhin. Etwas Mut gehört bei Straßenüberquerungen immer dazu. Über das Parkverhalten in diesen Ländern wollen wir lieber schweigen. (Nagut: Wie parkt man aus einer Parklücke aus wenn man vorn 10cm und hinten sportliche 5mm Spielraum hat?! – Gesehen in Florenz. Also die Situation, nicht das Fahrmanöver. Leider.)
4. Diverse Klein-Klischees wie typisches Aussehen, typische Kleidung, typisches Verhalten: Stimmt -besonders in Frankreich und Italien- beängstigend oft. Beeindruckend.
5. Wie schon oft erwähnt: Je weiter östlich man kommt, desto weniger Wert wird auf optische Perfektion von Bauwerken, etc gelegt. In Frankreich z.B. ist die Straßenbahnoberleitung ganz akkurat befestigt, in Belgrad und noch schlimmer in Bukarest hängen überall abgeschnittene Kabelenden herum und wer unter den Masten steht und nach oben schaut, sieht den Himmel vor lauter Kabel kaum noch. Fahren tut die Straßenbahn aber in beiden Fällen.

Wie aus einer anderen Zeit…

.. wirkt das was sich uns vor dem
Zugfenster teilweise zeigt. In Bulgarien und Rumänien zum Beispiel die Lebensart der Landbevölkerung. Während bei uns die Felder eher große Flächen sind, sieht man hier teilweise Streifchen von vielleicht 15 x 50 Metern. Und was bei uns von Traktoren und Mähdreschern gemacht wird, machen die Menschen hier selbst. So sahen wir gestern Leute auf einem Feld von Hand ernten (und dreschen?!) und Pferdekutschen, die die Ernte ins Dorf fahren. Über Sand- und Schotterwege natürlich: Asphalt gab es dort nicht.
Eine komplett andere Welt für uns.

Klima kaputt

Dieser Zug der ÖBB ist zwar sauber, aber dafür unerträglich heiß. In unserer mit 5 Personen (ein Vater und seine 2 Kinder geben uns die Ehre) gefüllten 6-Mann-Kabine sind gefühlt schwülwarme 40 Grad Celsius. Schaffner sagt: Klimaanlage kaputt – und Fenster nur zum Ankippen. Gute Nacht.

P.s.: das ist bisher der teuerste Nachtzug.

19 Stunden


Bukarest nannte man angeblich mal “Klein Paris”, heute ist es die wirtschaftliche und finanzielle Metropole seines Landes, in der historische Sakralbauten auf moderne Architektur und kommunistische Protz- und Zweckbauten treffen. So oder so ähnlich steht es in einem Internetreiseführung. Ganz falsch ist das sicher nicht, aber eine einfachere Beschreibung der aktuellen Verhältnisse wäre: Gute Ansätze, hier und da auch sehr gut umgesetzt – viel aber einfach nur plan- und stillos bebaut, dreckig und wenig schön. 2-3 Fußgängerzonen im Stadtkern und die Mehrzahl der städtischen Parks waren wunderbar belebt, nett und sehenswert. Aber das Große und Ganze war einfach chaotisch Bezeichnend auch: Ich habe nicht eine Postkarte kaufen können. Aber ich will auch keine Gerüchte in die Welt setzen. Es gibt sicher noch mehr sehr schöne Fleckchen – von unserem subjektiven Blickwinkel aus war es leider nicht so schön.
Immerhin konnte ich in der Stadt schöne Sozialstudien über die örtliche Bevölkerung anstellen. Autofahren zum Beispiel… Naja – Straßen zu überqueren ist so eine Sache – und Hupen ist beinahe so beliebt, wie Reifen durchdrehen lassen oder Motoraufheulen. Interessanter Fakt am Rande: Jedes 3. Auto ist ein Dacia – und alle sehen gleich aus. Gibt ja noch nicht soviel Auswahl in der Dacia-Produktpalette.
Jetzt bereiten wir uns auf unser Tageshighlight vor: Ein durchgängiger Nachtzug nach Wien. 19 (in Worten: neunzehn) Stunden. Zum Glück ein Schlafwagen. Wünscht uns nette (oder keine) Schlafkabinenkollegen!

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