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Fähre, Brüste, Nacht im Zelt

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Guten Morgen Dubrovnik. Guten Morgen Frau Vermieterin. Guten Morgen Frau Vermieterins mindestens 5 Kinder, die ständig das Bad besetzen.
Gegen halb 10 erwachten wir in dem viel zu warmen Zimmerchen der hilfsbereiten Kroatin. Diese teilte uns mit, dass ein Bus stündlich zum Busbahnhof fährt, doch die Zeiten lagen ziemlich ungünstig, sodass wir dann doch auf das Laufen zurückgreifen mussten. Die wunderschöne Landschaft mit Bergen und Meer begrüßte uns, die Sonne strahlte vom Himmel – so lässt sich ein Tag beginnen. Wir fanden den Bahnhof ohne größere Probleme, besuchten den randvollen „Konzum“ (und statteten uns mit Obst, Keksen und Getränken aus), gaben unser Gepäck ab und stiegen in den angenehm kühl wirkenden Bus Richtung Drvenik. Die meisten Plätze waren bereits besetzt, also blieb nur noch die letzte Reihe für uns übrig. Auf einem Platz am Fenster saß ein Mann, der sich bald als Franzose herausstellte und sehr offenherzig begann mit uns zu kommunizieren.
IMG_2156.JPG In Drvenik angekommen, war es Zeit, eine Fähre zu finden, die uns nach Sucuraj bringen würde. Den Hafen erreicht, fuhr uns die erste direkt vor der Nase weg. Nach einer halben Stunde auf der nahegelegenen Bank, lief ein kleine Fähre in den Hafen ein. Wir schnappten unser Gepäck und sicherten uns einen Schattenplatz an Deck, in der Sonne war es ja kaum auszuhalten. Das Schiff tuckelte los und fand den Weg nach Sucuraj schneller als wir dachten. Jetzt standen wir vor einem Problem(chen) – wir mussten irgendwie einmal quer über die Insel kommen. Ein Blick auf den Busplan verriet uns, dass der Nächste in einer Dreiviertelstunde fahren würde. Wir saßen und warteten. Warteten lange. Langsam kam es uns komisch vor, die Zeit verging und es kam kein Bus. In einem kleinen Kiosk fragten wir erneut – „Viertel vor 6 kommt hier ein Bus mit der Fähre, der fährt nach Stari Grad“. Viertel vor 6 bedeutete für uns 2 Stunden erneutes Warten. Kurz entschlossen gingen wir baden, um die Zeit möglichst sinnvoll zu überbrücken. Aus Angst vor Seeigeln, dauerte der Weg ins und aus dem Wasser zwar länger, als die Zeit dazwischen, aber die Abkühlung haben wir echt gebraucht. _MG_2175.JPG
Nach einem Eis kam dann auch besagte Fähre mit besagtem Bus. Der Fahrer war echt entspannt, wenn man bedenkt, dass er genau wusste, was für eine Fahrt vor ihm liegt. Alles begann noch halbwegs ruhig, wir machten einige Halte in kleinen Dörfchen und anfangs waren auch die Straßen noch breit genug. Doch je länger wir fuhren, desto schmaler wurden sie – und desto mehr Autos kamen uns entgegen. Es wurde einem schon mulmig, wenn es rechts steil bergab ging und links vom Bus noch ein Transporter durch wollte. Unser Fahrer war anscheinend sehr routiniert, denn er schlängelte sich mit einer Leichtigkeit durch die S-Kurven, wie es sicher kein Anderer geschafft hätte. „Stari Grad“ sagte er – das war unser Zeichen. Wir schnappten unser Gepäck, fragten nach dem Weg zum Zeltplatz und liefen (mehr oder weniger) zielstrebig los. Die Stadt machte einen sehr guten ersten Eindruck, es war warm, das Wasser klar, die Menschen lachten und die kleinen Buden entlang der Strandpromenade luden zum Kaufen ein. Den Zeltplatz fanden wir relativ schnell, wir checkten ein (in dem Fall bedeutet das, wir mussten unsere Ausweise abgeben) und bauten in Null Komma Nichts das Zelt auf.
P1060331.JPG Einige Zeit später (es war mittlerweile schon fast dunkel) wanderten wir zurück Richtung Hafen, Restaurants und Bars. Auf der Suche nach etwas Essbaren fanden wir ein nettes mittelgroßes Lokal und bestellten Thunfisch mit Spaghetti bzw. Kartoffeln. Sehr lecker! Wie üblich schlenderten wir anschließend mit einem guten Sättigungsgefühl im Magen durch die Gassen (wirklich kleine niedliche Gassen, alles sah etwas italienisch aus) und beobachteten Touristen und Einheimische. Paul und Lisa entschieden sich noch für einen Palacinken (eine Art Eierkuchen, gefüllt mit Nutella) und während sie in der Schlange warteten bahnte sich langsam aber sicher das Highlight des Abends an. Auf einem Schiff im Hafen, direkt gegenüber von uns, spielten ein paar Amerikaner Wahrheit oder Pflicht – und zwar ohne jegliche Hemmungen. Paul und ich drehten uns um (da wir unseren Palacinken nach viel zu langer Zeit endlich bekamen) und trauten unseren Augen nicht. Vor Erik stand eine oberkörperfreie Amerikanerin und fragte mit einem breiten Lächeln im Gesicht: „Sorry, I have lost my shirt – can I have yours?“ (zu deutsch: „Entschuldigung, ich habe mein T-Shirt verloren, kann ich deins haben?). Der erste kleine Schock saß tief, doch nach einigem Zögern zeigte sich Erik wiedermal von seiner hilfsbereiten Seite und gab der leicht Angetrunkenen sein T-Shirt. Diese freute sich sehr und ging zurück zu ihren Freunden aufs Schiff. Wir schauten uns an und wussten nicht so recht, ob wir jetzt lachen sollten oder nicht. Wir entschieden uns dafür und beobachteten das Spektakel noch eine Zeit lang. Schließlich brachte das Mädchen auch Eriks T-Shirt wieder und stelle sich als Cara vor. Noch den ganzen Abend schwärmte Erik davon, dass er der Auserwählte war.

P1060317.JPGP1060327.JPGP1060332.JPG_MG_2190.JPG_MG_2199.JPG_MG_2202.JPG
Erschöpft gingen wir zurück zu unserem Zeltplatz, machten uns bettfertig und versuchten zu schlafen – aber wir versuchten eben nur, der Waldboden war härter als wir dachten.