Author Archives: Lisa

Die perfekte Überschrift folgt noch…

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Der Wecker ließ uns den Donnerstag eher beginnen, als wir wollten. Die Botschaft öffnete um 9 und wir wollten das ganze so schnell wie möglich hinter uns bringen. Los ging es also zur nächsten Metrostation, das Ticket wurde gekauft und wir setzten uns in den diesmal halbleeren Bus (welch Ironie des Schicksals – schon hat man kein Gepäck mehr, denkt gar keiner daran uns im Bus zu bedrängen). Wir kamen am Hauptbahnhof an und beschlossen, vorerst im Fundbüro nachzufragen, ob eine Geldbörse abgegeben wurde – aber irgendwie konnte uns hier keiner weiterhelfen. Wir erkundigten uns am Ticketschalter, man teilte uns mit, dass es im Bahnhof kein „Lost And Found“ gebe, wir uns aber im Fundbüro der Stadt erkundigen könnten. Die Frau gab uns die Adresse und die Telefonnummer – wir entschieden uns, es telefonisch zu probieren. Am anderen Ende meldete sich ein Mann. Wir erklärten ihm das Problem, doch er meinte, in den letzten Tagen sei kein Portemonnaie abgegeben worden, aber wir sollen es doch in ein paar Tagen noch einmal versuchen: „Das dauert immer ein ganzes Stück“. Wir hatten nicht wirklich Hoffnung hinein gesetzt, aber etwas enttäuscht waren wir trotzdem.
_MG_2616.JPG Nächste Station: Fotoautomat. Ich lächelte einmal ganz nett, ließ die Maschine meine 5€ fressen und drückte auf „Drucken“. Heraus kamen große und kleine (wirklich nicht schöne) Bilder. Ein Blick auf die Stadtkarte verriet uns nun, wie wir am besten zur Deutschen Botschaft kommen würden. Diese war auch schnell gefunden. Eine Polizistin, die zur Wache vor der Tür stand, teilte uns jedoch mit, dass nur eine Person die Botschaft betreten dürfe. Das bedeutete für Paul erst einmal Erholung von mir. Er setzte sich (wie ihr bereits wisst) in ein Cafe und trank gemütlich einen Cappuccino, während ich mich mit den Behörden rumärgern musste.
Ich betrat den Warteraum, zog eine Nummer und setzte mich. Außer mir waren noch 4 weitere Kunden da – ein Mädchen (anscheinend auch Interrailerin) kam mir von Anfang an bekannt vor, ich würde wetten, wir haben sie und ihre Freundinnen in Split gesehen. Nach einer Weile blinkte auf dem Bildschirm die Nummer 84 auf – mein Zeichen. Ich ging zum Schalter und erklärte dem jungen Mann dahinter die Sache mit meinem Ausweis und das ich dringend einen Ersatz für den Flug bräuchte. Er verstand sofort. Nachdem er den Polizeibericht überflogen hatte, sah er mich besorgt an: „Du bist also noch minderjährig? Ich brauche ein Einverständnis deiner Eltern, um dir einen vorläufigen Ausweis ausstellen zu dürfen.“ – na ganz große Klasse. Ich füllte zunächst einen Antrag aus (2 Seiten, auf denen exakt das gleiche stand) und gab dem Botschaftler den ganzen Zettelkram, den er haben wollte. Währenddessen telefonierte er nach Crimmitschau, um meine Identität zu überprüfen. Ein Wunder – der Computer in Crimmitschau kannte mich und es wurde eine Kopie meines Ausweises per Email verschickt. Jetzt bestand nur noch das Problem mit dem Einverständnis der Eltern. Nachdem eine Frau am Schalter 2 nach einer gefühlten Stunde ihren Auftritt (und man kann wirklich sagen AUFTRITT) beendet hatte, trat ich ans Telefon und beanspruchte mein Gedächtnis sehr. Die Handynummer meiner Mutti war die Einzigste, die ich halbwegs auf die Reihe bekam (zuhause war ja aus Arbeitsgründen keiner zu erreichen). Also rief ich Mutti an und konfrontierte sie damit. Nach einer Weile war die Email-Adresse von D. (der junge Mann am Schalter) durchgegeben und ich musste mich jetzt vollkommen auf die Fähigkeiten meiner Eltern verlassen. Ich setzte mich also wieder hin und beobachtete das weitere Geschehen. Kurze Zeit später winkte mich D. zu sich hin. „Ich glaub dir jetzt einfach, dass die Email gleich noch kommt. Wenn das unter uns bleibt, mach ich dir das Zeug fertig und dann kannst du gehen!“ sagte er und zwinkerte mir zu – ein Netter, oder? Früher als gedacht war ich also wieder draußen und konnte Paul Gesellschaft leisten. Ich bestellte ebenfalls einen Cappuccino und wir saßen noch eine Weile. Als wir genug geglotzt hatten, zahlten wir und liefen Richtung Bahnhof zurück. Dort schlenderten wir durch einige Läden (auf der Suche nach einem neuen Portemonnaie), doch als wir nicht fündig wurden, machten wir uns wieder auf den Heimweg. Durch viele viele … viele Parks und Straßen fanden wir den Weg so ungefähr, machten hier und da noch einen Umweg, schauten uns auf verschiedenen kleinen Märkten um, kauften ein paar Weintrauben und gingen dann zurück in die Unterkunft, um eine Pause einzulegen. Die Hitze machte einen fertig – das war schlimmer, als der lange Fußmarsch.
_MG_2509.JPG Am Abend wollten wir den Urlaub noch angemessen ausklingen lassen und setzten uns in ein Lokal gleich um die Ecke. Nach dem Antipasti – Bruschetta – kam der Hauptgang (für Paul zwei Hauptgänge). Er bestellte erst Spaghetti mit einer leckeren Pesto-Soße und anschließend noch einen Hühnchenteller (oder so etwas in der Art). Ich gab mich mit einer großen Portion Spaghetti mit Tomatensoße zufrieden. Zum Schluss entwickelten wir Appetit auf etwas Frisches und orderten ein Gericht namens „Früchte der Saison“. Was wir bekamen, war eher eine Frucht der Saison. Ein großes Stück Melone mittig auf dem Teller platziert – nicht das, was wir uns vorgestellt haben, aber trotzdem lecker. Voll bis zum Rand zahlten wir und mussten unbedingt noch eine Verdaurunde laufen, sonst wären wir auf der Stelle geplatzt. Wir schlenderten am Tiber-Ufer entlang und betrachteten Jugendliche, die sich bereit für die nächtlichen Partys machten. Erschöpft kamen wir wieder in der Via La Goletta an – später als vorher geplant. Und so begann die letzte Nacht im Urlaub…

“A bissal Schwund is imma”

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Der Tag in Bologna begann anders, als erwartet – und zwar in einem vollkommen überfüllten Cafe mit einem Cappuccino und einem Brioche (etwas Croissantartiges). Während wir genüsslich aßen, hörten wir den gestressten Italienern zu, die versuchten, sich gegenseitig nicht im Weg rum zu stehen und trotzdem ihre Aufgaben ordentlich zu erfüllen. In einem Moment der Unachtsamkeit stand plötzlich Hermann neben uns, der freundliche Südtiroler, und fragte uns, ob alles gut sei und wir gut geschlafen hätten. Nach einem kurzen Dialog fuhr er mit dem klapprigen Fahrrad weiter seiner Wege – wahrscheinlich auf der Suche nach neuen potentiellen Unterkunftssuchenden. Als alle Sachen gepackt, jeder Ablageplatz auf Leere kontrolliert und alle Klo-Gänge erledigt waren, gingen wir, den Schildern folgend, zum Bahnhof (nachdem wir am Eingang noch einmal auf Hermann trafen, der nun seiner Putzfrau Gesellschaft leisten wollte)._MG_2518.JPG
Da wir noch über eine Stunde Zeit hatten, nahmen wir im Warteraum Platz, gingen abwechselnd in die Haupthalle, um nach Postkarten zu schauen und begafften Leute, die überraschend auffällig zurückgafften. Einem älteren Ehepaar hatten wir es anscheinend am meisten angetan, denn sie scheuten sich nicht einmal davor, uns direkt in die Augen zu schauen und unterhielten sich noch relativ lautstark auf italienisch über unsere Rucksäcke. Als es dann Zeit war, zu unserem Gleis zu gehen, verabschiedeten wir uns provokant freundlich mit einem kräftigen „Ciao – Buon Viaggio“ (zu deutsch: „Tschüss – Gute Reise“).
Unser Zug kam überraschenderweise pünktlich, wenn nicht sogar überpünktlich, am Gleis 6 an. Wir hatten eine Reservierung, sodass es uns leicht fiel, die Plätze zu finden. Probleme gab es anfangs mit der Verstauung unserer Rucksäcke, da die oberen Ablagen zu klein und die Gepäckfächer voll waren. Doch irgendwie mit ein bisschen Zauberei löste sich das Problem von allein. Mit einem Zwischenstopp in Florenz waren wir ca. 2 Stunden später in Roma Termini. Hier wartete der erste kleine Schock des Tages auf uns: Die U-Bahn-Linie A, mit der wir zu unserer Unterkunft kommen wollten, fiel aus. Schienenersatzverkehr war die Folge. Gefühlte 5 Millionen Menschen stürmten zu den Bussen, dementsprechend voll waren diese. Wir lösten ein Ticket und stiegen ein. Es war wahnsinnig warm, wir hatten noch nie so engen IMG_2650.JPG Körperkontakt mit anderen fremden Leuten und dazu fuhr der Busfahrer noch wie ein Irrer. Es wurde uns mulmig im Magen und wir mussten aus Übelkeitsgründen schon an der 3. Station (von 5, 6 oder so) eine Pause einlegen. Als es uns (oder besser: mir) wieder besser ging, waren wir schon drauf und dran in den nächsten Bus zu steigen, als ich merkte, dass irgendwas fehlte. Das Fach an meinem Hüftgurt war merkwürdiger Weise geöffnet. Und darin befand sich – kein Portemonnaie mehr. In diesem Gedränge musste mir das irgendein * piiieeep * direkt aus der Tasche geklaut haben. Vollkommen überrumpelt ließen wir auch diesen Bus ohne uns weiterfahren. Nachdem wir erfolglos alle Taschen und Beutel, die wir bei uns hatten noch einmal durchsucht hatten, konnten wir nichts anderes tun, als erstmal in die Unterkunft zu fahren und dort einen weiteren Plan zu erstellen. Unser Vermieter kam, etwas verschlafen, aber dennoch freundlich, und öffnete uns die Tür. Er zeigte uns ein Zimmer in einer Seitenstraße, welches jedoch den Nachteil hatte, dass zur Zeit das Internet defekt war. Wir erklärten ihm unser Problem mit dem gestohlenen Portemonnaie; er verstand und sagte, er könnte uns auch in einem anderen Haus unterbringen, da wir in diesem speziellen Fall ja dringend Internet bräuchten. Eine halbe Stunde später standen wir also in dem wesentlich helleren Zimmer in der Via La Goletta (so heißt die Straße) und beratschlagten uns. Was ist in der Geldbörse gewesen? 25€ – na ja, verschmerzbar. Sparkassenkarte – schnell Papa anrufen und sperren lassen. Krankenkarte – bekomme ich hoffentlich schnell eine Neue. Bahncard – schlecht, denn unsere Heimfahrt von Berlin war bereits mit Bahncard gekauft, muss am Schalter in Berlin geklärt werden. Der Schlimmste Verlust war mein Personalausweis, denn schließlich fliegen wir am Freitag und ohne Ausweis könnte das sehr schwierig werden. Na super. Somit war klar, was wir an unserem ersten Tag in Rom machen würden: Polizei und Deutsche Botschaft. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis wir die Polizeistation fanden, wir klingelten, nichts geschah. Noch einmal, nichts. Eine Frau kam, klingelte, die Tür wurde geöffnet. Na gut. Wir betraten den Vorraum und ein Polizist sah uns fragend an. Wir versuchten ihm zu erklären, dass ein Portemonnaie gestohlen wurde und wir jetzt gern eine Anzeige aufgeben würden. Der Mann sprach nur äußerst wenig und schlecht Englisch, was das ganze etwas erschwerte. Er holte uns ein deutschsprachiges Formular und bat uns jenes auszufüllen. Name, Adresse, Verlust usw. Währenddessen telefonierte er mit einem Kollegen und fragte, ob es möglich sei, dass er ins Revier kommt. Anscheinend war es nicht möglich, _MG_2503.JPG denn kurze Zeit später kam eine Frau (die ziemlich verschlafen wirkte) in Jeans und T-Shirt herein marschiert, krallte sich meinen Report und verschwand in ein Nebenzimmer. Ein paar Minuten später – wir hatten in der Zeit dem äußerst billigen Polizeiautomat eine Flasche Wasser entzogen – kam sie mit zwei Kopien, drückte sie mir in die Hand und wir konnten gehen. Ok, das war einfach. Die deutsche Botschaft hielt uns etwas länger auf, denn sie hatte geschlossen. Im Internet fanden wir eine Notfallnummer, da auch am Folgetag wegen einem großen Feiertag geschlossen sein sollte. Man empfahl uns auf der Internetseite eine SMS zu senden, also taten wir das. Aber irgendwie passierte nichts. Keinerlei Reaktion. Wir holten uns Hilfe und telefonierten nach Deutschland. Pauls Vati riet uns, jetzt bei der Notfallnummer anzurufen. Durch die SMS war ich mir ziemlich sicher, diese Nummer im Handy eingespeichert zu haben. Ich wählte den Eintrag „Rom“ und drückte den grünen Hörer. Es meldete sich am anderen Ende ein Mann: „Pronto“. Ich fragte, ob ich dort bei der Deutschen Botschaft gelandet sei und ob sie mir vielleicht kurz helfen könnten. Der Mann verstand kein Wort. Ich reichte mein Telefon an Paul weiter, da es mir langsam etwas komisch vorkam. Paul erklärte nun auf Englisch das ganze Desaster von meinem Portemonnaie. Der Mann verstand immer noch nichts. Verwirrt legten wir auf. Ich schaute auf mein Handy und lag flach vor lachen. Wir hatten gerade unseren Zimmervermieter angerufen. Ich hatte seine Nummer ins Telefonbuch eingetragen und nicht die von der Botschaft. Das war echt peinlich! Versuch Nummero zwei klappte. Ich redete mit einer Frau, die mir erklärte, wie und wo ich einen Ersatzausweis bekommen könnte, sagte aber gleichzeitig, ich solle mich doch erst einmal an unsere Fluggesellschaft wenden, denn manchmal reiche auch die Verlustbescheinigung der Polizei für den Check In. Also suchten wir uns die Nummer von AirBerlin und scheiterten sofort wieder. Alle angegebenen Nummern funktionierten aus welchen Gründen auch immer nicht. Also blieb es uns nur, eine Email zu schreiben und auf Antwort zu hoffen.
Um diesen Schock des Tages zu verdauen, machten wir noch etwas Pause und gingen anschließend noch einmal in die Stadt, um noch etwas anderes zu sehen, als nur den Weg zu Polizeistation. Wir gönnten uns ein leckeres Eis (diesmal sogar 2 Sorten) und sahen den Petersdom, das Kastell St. Angelo, den Piazza Navone und erkundeten beide Seiten des Tibers. Nach einem langen, aufregenden Tag fielen wir schließlich müde ins Bettchen und schliefen.

Schilderkunst

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Luxus aus Südtirol

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Wir fühlten uns wie auf Klassenfahrt, als wir die Treppen hinunter zum Speiseraum nahmen. Die bunten Geländer, die Holztische mit passenden Stühlen, die stets freundlich lächelnde Frau an der Rezeption – man fühlte sich einfach wieder wie in der Grundschule, als man noch Ausflüge in die Jugendherberge in Schönheide machte.
Nach dem Frühstück (welches diesmal etwas großzügiger ausfiel) sammelten wir unsere sieben Sachen und gingen durch die wunderschöne Innenstadt Villachs zum Bahnhof. Der traurige Moment war nun gekommen – wir mussten unseren mitreisenden Erik in den nächsten Zug nach Warschau stopfen und hoffen, dass er schlau genug ist, seine nächsten Umsteigebahnhöfe selbst zu finden, um dann pünktlich in Crimmitschau anzukommen (im Nachhinein wissen wir jetzt, dass er es nicht pünktlich schaffte – er schrieb irgendwas mit 23:21 in Zwickau [kurz nach 9 Uhr am frühen morgen begann seine Reise] – unser Beileid, Erik!). Nach einem letzten Selbstauslöser, medium-vielen Tschüssrufen und vielem Gewinke fuhr sein Zug los und wir zwei Übriggebliebenen suchten unser eigenes Gleis. Der Zug kam pünktlich, wir blieben sitzen bis zum Endhalt Udine und stiegen um nach Venedig Mestre. Dort reservierten wir einen Sitzplatz im Eurostar, der uns von Bologna nach Rom bringen sollte (als Paul nach einiger Wartezeit an der Reihe war, kommunizierte er ausschließlich auf italienisch – wunderbar!). Der nächste Zug wartete bereits auf uns und wir fuhren weiter nach Bologna, die Fahrt an sich war ziemlich ereignislos. In der Heimatstadt von Spaghetti Bolognese angekommen, war es an der Zeit eine Unterkunft zu finden. Das gestaltete sich etwas schwieriger als vorerst gedacht. Nach einigem Herumirren in großen und kleineren Straßen beschlossen wir in einer Apotheke nachzufragen, ob es hier in der Umgebung billige Ho(s)tels gibt (eine Apotheke ist durch wenig neugierige Zuschauer dafür sehr gut geeignet). _MG_2467.JPG Die zwei typisch italienischen Angestellten unterhielten sich in einer Schnelligkeit miteinander, dass einem schon Himmelangst wurde. Ein klein bisschen langsamer versuchte der gut gebräunte dunkelhaarige Mann mit Drei-Tage-Bart Paul zu erklären, dass es in der Nähe mehrere “Bed & Breakfast” gebe, er aber nicht genau wüsste, wie viel so etwas kostet – Paul hat sehr erfolgreich so getan, als hätte er alles verstanden. Ein paar wichtige Schlagwörter reicher, schlugen wir die uns angegebene Richtung ein und fanden – nichts. Die genannte Straße gab es zwar, aber die Unterkunft mussten wir übersehen haben. An einer Kreuzung schauten wir uns um, als plötzlich ein kleiner grauhaariger Mann mit seinem Fahrrad auf uns zu kam. “You are looking for bed&breakfast?” fragte er, wir bejahten. “I have bed&breakfast. Do you want to see?”. Klar, warum nicht. Er führte uns zu einem Gebäude, an dem wir gerade vorbeigelaufen waren. Tatsächlich hing neben der Tür ein kleines Schild, welches auf eine derartige Unterkunft hinwies. Der Mann fragte uns, woher wir kommen. Als wir ihm erzählten, dass wir Deutsche sind, begann sein Gesicht regelrecht zu strahlen: “Ich bin auch Deutscher! Also eigentlich komme ich aus Südtirol, aber meine Mutter kommt aus München!”. Was für ein schöner Zufall, der sich sogleich noch mehr für uns lohnen sollte: “Die Unterkunft wäre 65€ für zwei, aber weil ihr Deutsche seid mache ich 50!”. Das Zimmer war der reinste Luxus. Wir hatten ein eigenes Bad mit Dusche, WC und Bidet, ein Ehebett, eine Klimaanlage, einen Fernsehr mit vielen schönen italienischen Sendern, ein großes Fenster, einen überdimensionalen Schrank und viele kleine niedliche Deko-Gegenstände. Als wir uns breit gemacht und eingerichtet hatten, beschlossen wir, uns die Stadt anzuschauen und unseren riesigen Hunger zu stillen. Dafür wollten wir uns leckere Panini gönnen. In einem Imbiss versprach man uns, schmackhafte Sandwiches zuzubereiten und wir könnten in der Zeit draußen sitzen und warten. Na gut. Wir saßen und warteten eine Weile. Und dann kamen … keine Panini. Was kam, waren ausgetrocknete Käse- und Schinkenscheibchen in einem trockenen Hamburger-Brötchen, die im Mund größer wurden, sobald man kaute. Wenigstens gab es eine Cola dazu, insgesamt war es aber einfach nur überteuert. Etwas enttäuscht statteten wir nun der Altstadt einen Besuch ab. Der Anblick dieser alten, wunderschön gestalteten Gebäude entschädigte alles. Uns fiel auf, dass die 2 Türme, die in der Stadt alles überragten vollkommen schief in der Landschaft standen. Später fanden wir heraus, dass Bologna früher ausschließlich aus Türmen bestand, die sich Adelsleute aus Schutz- und Angebergründen bauten (Wikipedia spricht von über 180 Türmen, von denen heute aber nur noch wenig zu sehen sei). Der Schrägste, noch stehende Turm hat eine Neigung von 3,2m auf 48m Höhe – das sieht _MG_2457.JPG wirklich gefährlich aus, wenn man drunter steht. Wir liefen noch eine Weile durch die Straßen und bewunderten die grandiosen alten Bauwerke. Auffallend waren die vielen Baugerüste an den Gebäuden – uns fiel ein, dass wir ja genau in der Erdbebenregion sind. Somit erkläre sich auch der fehlende Putz an vielen Wänden. Es war ziemlich warm und wir entwickelten eine Lust auf Eis. In einer Eisdiele mit viel Auswahl stoppten wir. Da ich in Italien noch nie ein Eis gegessen hatte, wusste ich nich nicht, dass man hier nach Portion bezahlt und nicht nach Anzahl der Kugeln. Also bekam ich eben nur eine Sorte, nämlich Melone, im Gegensatz zu Paul, der Zitrone und Erdbeere für den gleichen Preis verdrücken konnte. Gestärkt gingen wir vorerst zurück in die Unterkunft und informierten uns etwas über die Stadt. Später flanierten (wir sollten uns echt mal ein anderes Wort dafür überlegen) noch ein bisschen durch die schön beleuchteten Gässchen, tranken etwas und genossen das warme Wetter und viele wild durcheinander quatschende Italiener.

Grüß Gott, wir sind in Österreich.

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Wir erwachten – welch Überraschung, denn hier waren wir ja eingeschlafen – in den Doppelstockbetten des Youth Hostels in Ljubljana und freuten uns schon auf das angekündigte und bereits bezahlte ausgiebige Morgenmahl. Im Frühstücksraum wartete ein wunderbares Buffet auf uns (die Ironie klingt hier schlimmer, als es gedacht war). Es bestand aus einer Kiste voller Brötchen, einem Teller mit Leberwurst und Einem mit Käse, ein paar Cornflakes und einer kleinen Getränkeabteilung mit Kaffee, Tee und Saft. Als wir dann nach nicht allzu langer Zeit aufgegessen hatten, konnten wir stolz von uns behaupten, das komplette Angebot ausprobiert zu haben (bis auf dem Kaffee).
Wieder auf unserem Zimmer, packten wir die restlichen Sachen zusammen, checkten aus und liefen Richtung Bahnhof. Um 11:28 Uhr startete unser Zug nach Villach (Diesen Stopp legten wir übrigens nur ein, weil Erik von hier aus gut nach Deutschland kommen kann und Paul und ich nicht weit von der italienischen Grenze entfernt sind)._MG_2410.JPG
Bereits vor der Ankunft sorgten wir uns, keine Unterkunft zu finden, als wir dann vor Ort waren, sorgten wir uns weiter. Überall Hotels, aber die waren so unbezahlbar, dass wir unbedingt auf etwas anderes zurückgreifen mussten. In der Stadt hatten wir freies Internet und nutzten die Chance, um nach nahegelegenen Hostels zu googlen. Wie heißt es so schön? Wer sucht, der findet. Es gab eine Jugendherberge, die gar nicht so weit entfernt war. Die Rucksäcke wieder aufgehuckelt, ging es, der Wegbeschreibung folgend, los. Ohne große Probleme fanden wir auch besagtes Gästehaus und wurden sogleich freundlich empfangen. Die österreichische Rezeptionistin fragte neugierig, woher wir kommen und warum wir in Villach sind – wir erzählten ihr von unserer Reise und dass wir (also Erik) gerade auf dem Heimweg sind. Die Begeisterung war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben und ihr Interesse offensichtlich. Nach kurzer Auswertung und Berichterstattung trug sie Erik und mich als Pauls Kinder in die Kartei ein und wies uns ein Viererzimmer zu – Nummer 107 im ersten Stock. Wir teilten die Betten auf und machten eine kurze Pause. Als wir dann vollständig regeneriert waren, machten wir uns auf zum Stadtrundgang. Leider gab es außer ein paar sehr hübschen Kirchen nicht viel zu sehen. Dazu kam unglücklicherweise die Tatsache, dass Sonntag war und kaum ein Laden geöffnet hatte. Trotzdem schlenderten wir mit viel Spaß und Freude durch die Straßen und setzten uns auf komische Plastikgegenstände am Ufer der Drau._MG_2386.JPG
Der Hunger packte uns und wir beschlossen einstimmig unser Abschluss-Essen richtig groß zu veranstalten. Wir suchten uns ein Plätzchen im Biergarten des Brauhofs, dessen Speisekarte uns schon in der Unterkunft empfohlen wurde. Wir bestellten als erstes eine kleine Vorsuppe: Lisa Nudelsuppe, Paul Leberknödelsuppe und Erik eine Fritattensuppe. Es folgte der Hauptgang: Lisa einen bunten Salatteller mit Truthahnbruststreifen, Paul einen Schweinebraten mit Klößen, Sauerkraut und Kartoffeln und Erik bestellte sich ein Schweineschnitzel mit Salatteller. Nebenbei wurden 6  Biergläser und ein Apfelsaft geleert. Wir sagten uns: Wenn, dann richtig! Als unser Magen nach den großen Portionen langsam wieder aufnahmefähig wurde, musste natürlich noch ein Dessert her. Kaiserschmarrn bot sich dafür hervorragend an (wenn man schon einmal in Österreich ist, muss das einfach sein).
Erwähnenswert wäre noch, dass uns an diesem Abend eine ältere Frau belustigte, die allein an dem Tisch gegenüber saß. Sie trank in der Zeit mehr Bier, als wir gemeinsam je geschafft hätten und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Jedes Mal, wenn sie an ihrer Zigarette zog, begann sie unglaublich zu lachen – über alles und jeden. Ihr Lachen war so ansteckend, dass sich sogar die Kellner amüsierten, die beim Vorbeigehen immer eine neue Bestellung an Bier aufnehmen durften – schade, dass wir das Eintreffen ihrer Rechnung nicht mehr mitbekamen. ;-)
Vollkommen fertig und satt verließen wir den Biergarten und wanderten dann auf ziemlich direktem Wege zurück zur Jugendherberge. Dort quatschen wir noch ein bisschen und erfreuten uns an lauten Kinderstimmen auf dem Gang, als wir einschlafen wollten.

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Wiedersehen mit Split

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Wir erwachten. Es war warm, wir waren müde. Der Boden auf dem Zeltplatz hat uns einige Stunden Schlaf geraubt. Doch es nützte nichts – fix unter die Dusche, Sachen packen und ab zum Hafen. Dort angekommen statteten wir uns mit Proviant aus und warteten darauf, dass die Riesen-Fähre fertig ausgeladen hatte (es ist schon ziemlich faszinierend, wenn ein großer LKW nach dem anderen aus dem Bauch des Schiffes gefahren kommt). Nach langem Warten konnten wir uns dann endlich einen Platz im Inneren suchen, unser Essen auspacken und es verspeisen. Gesättigt schauten wir noch eine Weile aus dem Fenster und kamen schließlich in Split an. Die Jungs waren hier letztes Jahr schon und kannten sich daher schon etwas aus. Wir buchten einen Zug für die kommende Nacht und schlossen unsere Rucksäcke, aus denen wir vorher jegliche Badesachen entfernt hatten, in viel zu klein aussehende Schließfächer (Zitat Erik: “Wenn die dort rein passen, fress ich einen Besen” – darauf kommen wir nochmal zurück, mein Freund!)._MG_2248.JPG
Vielleicht kennt ihr schon unser Titelbild der diesjährigen Reise. Drei Comicfiguren (die ein bisschen an uns erinnern) auf dem Bahnhof in Split, im Hintergrund ein Kirchturm und strahlend blauer Himmel. Wir beschlossen, dieses Bild nachzustellen, wenn wir schon einmal hier waren. Mit Kameras und passenden T-Shirts unterm Arm ging es also noch einmal zum Gleis 2, Stativ mit Kamera aufgestellt und angepasst, einmal nett gelächelt und schon konnte es weitergehen: zum Strand. Wie fast überall hier in der Gegend war auch Dieser ein Steinstrand. Egal, hauptsache Wasser! Also hinein ins feuchte Nass. Das tat gut, auch wenn der Salzgeschmack jegliches Gefühl im Mund- und Rachenraum verdrängte. Noch eine ganze Weile lagen wir in der Sonne herum und schwammen. Als wir genug vom Wasser hatten liefen wir in Richtung eines kleinen Imbisses und die Jungs aßen Tortillas gefüllt mit Hühnerfleisch. Ich (Lisa) verzichtete, da ich mir im Laufe des Tages in der prallen Sonne und auf den heißen Steinen anscheinend einen kleinen Sonnenstich wegholte und mich den restlichen Abend mit Übelkeit rumplagen musste.P1060343.JPG
Schließlich schlenderten wir noch etwas durch die Straßen, beobachten wie immer die Leute und lauschten der Musik, die vom Markt her zu uns drang.
Um ca. 20:45 Uhr bezogen wir unsere Plätze im Nachtzug – Sitzplätze. Die Sitze konnte man zwar ein kleines bisschen nach vorn ziehen, doch das war jetzt auch nicht viel bequemer. Anfangs blieben wir noch aufrecht im Abteil sitzen, doch als nach einer Zeit noch immer niemand zustieg, legten wir uns quer. Paul legte sich auf den Fußboden, da es leider nur zwei Sitzreihen gab. Doch so nett wie ich bin, wechselte ich mich mit ihm ab. Geschlafen haben wir nicht viel, also war das schon die zweite schlaflose Nacht.